Hoffentlich ist es okay, wenn ich ein wenig herumspekuliere.
@bowjo:
Ja, Dein Robinienbogen repräsentiert das, was ich meinte. Dann gibt es natürlich auch diese tiefen Stauchbrüche wie bei Deiner Esche im ersten Absatz.
@all:
Ich habe bisher eigentlich nur Erfahrung mit Bogenbrüchen auf dem Tillerstock. Bisher verarbeite ich ja oft eher minderwertiges Holz, weil ich es halt habe. Oft gibt bei solchen Projekten der Bauch nach und Jahresringe delaminieren. Ich überlege gerade, ob man das als "Mega-Stauchbruch" sehen kann. Wenn ich mir nämlich so ein Vorkommnis in Zeitlupe vorstelle, denke ich, dass ich durch das Biegen (incl. meiner Ungeduld und zu schnelles Tillern) eine regelrechte Kettenreaktion beim Kollaps der Holzzellen auslöse, die sich in den Bogen fortsetzt. Irgendwann trifft diese Kettenreaktion auf den nächsten Jahresring; es kommt zur Delamination. Der Bogen bricht dann nicht komplett, sondern der Rückenring und einige darunter liegende Ringe sind noch intakt. Mit "minderwertigem Holz" meine ich die Staves, bei denen mir das schon bei etwa 30# passiert.
Bisher habe ich aus einschlägigen Beiträgen im Forum herausgelesen, dass es scheinbar zwei Stauchbruch-Typen gibt:
Typ 1: Viele Stauchbrüche, relativ großflächig über den Bogenbauch verteilt. Bogen funktioniert noch recht lange
Typ 2: Relativ wenige Stauchbrüche, tiefgehend, Bogen ist schnell hinüber.
Wenn ich unterstelle, dass an meinem Gedankengang etwas dran ist, dann wäre es interessant zu sehen, unter welchen Bedingungen es zu welchem Stauchbruch-Typ kommt und ob man schon beim Bau des Bogens (auch in Abhängigkeit vom Wurfarm-Profil) etwas dagegen tun kann. Hier fällt mir nur ein, die Kompression der Holzzellen zu minimieren. Dafür fallen mir drei Strategien ein: (1) wenig Zuggewicht, (2) wenig Biegung / langer Bogen, (3) flacher Bauch, (4) Super-Tiller mit dem Ziel, den Druck auf die Holzzellen auf möglichst alle am Bogen beteiligten Zellen zu verteilen. Hier wird es aber eng, denn bei (1) - (3) macht es keinen Spaß mehr und bei (4) hilft nur das Gefühl und die Erfahrung, weil man ja nicht in den Bogen schauen kann, um die Zellen zu inspizieren. Damit bleibt die hohe Irrtumswahrscheinlichkeit beim Tillern.
Oh mein Gott, mit den Pilzen von gestern war was... Jetzt sehe ich im nicht-homogenen Werkstoff Holz Zellen vor mir, die ein unterschiedliches Maß an Kompression vertragen. Wenn ich nun versuche, die Kompression in den Wurfarmen "gerecht" auf die Holzzellen zu verteilen - wie sieht denn unter dem Aspekt ein optimaler Tiller aus? Ich meine damit: Wenn man die Unterschiede in der Kompressionsfähigkeit der Holzzellen sehen oder messen könnte - wäre dann ein gleichmäßiger elliptischer oder kreisförmiger Tiller noch erstrebenswert?
Und überhaupt: Wie sind denn unterschiedlich kompressionsfähige Zellen im Holz verteilt? Gibt es "starke" und "schwache" Bereiche oder sind "starke" und "schwache" Zellen gleichmäßig im Bogen verteilt?
Jetzt hoffe ich, dass ich den Thread mit meinem Beitrag nicht off-Topic-kontaminiere. Das sind meine Gedanken, zu denen mich das Thema inspiriert hat. Wenn's passt, freue ich mich, wenn nicht, dann bitte den Beitrag einfach ignorieren.

Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.
Der Student geht zur Mensa bis er bricht.
Mein Bogen geht auf den Tillerstock bis er bricht.