kurze Frage zum Haselnuss

Themen zum Bogenbau
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MrCanister123
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kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von MrCanister123 » 16.10.2019, 10:05

Hallo Miteinander,
baue jetzt seit ein paar Jahren und schlage mein Holz für gewöhnlich immer im Jan/Feb.
Und ich muss sagen... Haselnuss ist eigentlich echt ein top Bogenholz.. schlicht und einfach. Oder wie seht ihr das :)

Demletzt bei einem Turnier hat es geheißen, dass man Hasel auch über das ganze Jahr schlagen kann, stimmt das?
Muss man da nicht wie bei Eschen/Robinien warten bis sich der Jahresring voll ausgebildet hat?
-> also sprich, dass man den Rohling erst im späten Winter schlägt..

Was meint ihr?
Grüßle
I wurd stark und groß durch Spätzla mit Soß

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Neumi
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Neumi » 16.10.2019, 11:53

Moin, ich bin auch der Meinung, dass die Gemeine Hasel (Corylus avellana) ein hervorragendes Bogenholz ist. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Bogenbauch immer getempert werden sollte.
Dass man Hasel das ganze Jahr ernten kann, mag sein, aber mit Sicherheit ist es nicht optimal. Warum? Hasel ist zwar zerstreutporig, aber im Frühholz ist die Anzahl der Gefäße größer und nimmt Richtung Spätholz ab und entsprechend lockerer sind die Gefäße im Spätholz verteilt. Das bedeuted, dass das Spätholz etwas stärker ist.
Z.B. bei Birke (ist zwar kein Spitzenklasseholz, aber trotzdem gut) könnte man vermuten, dass es relativ egal ist, wann man schneidet, da die Gefäße sehr gleichmäßig über den Jahrring verteilt sind. Bei Bergahorn sind die Gefäße auch sehr gleichmäßig verteilt.
Aber hat man beim Schnitt während der Vegetationsperiode einen deutlich höheren Wassergehalt im Holz und ebenfalls einen höheren Zuckergehalt.
Und bestimmt gibt es noch mehr Gründe.
Außerdem ist es durchaus nett, wenn man der Pflanze die Möglichkeit gibt ihre Früchte fertig zu stellen :)
Grüße - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Roby-Nie
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Roby-Nie » 16.10.2019, 12:55

Auch ich halte Hasel für ein gutes Bogenholz, würde Hasel aber auch nur im Winter ernten.
Sommer geht bestimmt auch, aber wie Neumi halte ich das für nicht ideal.
Tempern halte ich gerade bei höheren Zuggewichten für unerläßlich.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Standort des Hasels darüber entscheidet, ob hohe Zuggewichte möglich sind.
Man merkt das am Gewicht der getrockneten Rohlinge. Bei ganzjährig feuchten, schattigen Standorten (hier bei mir wachsen viele Sträucher an einem beschatteten Bachlauf) ist das Holz schwerer und somit besser für 50+ lb geeignet.

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Ravenheart
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Ravenheart » 16.10.2019, 15:21

Hasel ist gutes Bogenholz.
Um die Frage nach dem Erntezeitpunkt zu beleuchten, muss man erst mal fragen:
WARUM sollen Hölzer im Winter geschlagen werden?

Es gibt DREI Gründe, die dafür sprechen:
1. Der Jahresring ist voll ausgebildet
2. Das Holz ist weniger feucht
3. (mitbeeinflusst durch 2.): Das Holz reißt weniger leicht.

Zu 1. Ein Jahresring, der den Rücken eines Bogens bildet, muss die maximalen Zugkräfte (Dehnung) aushalten. Reißt der Rückenring, bricht der Bogen.
Sind die Ringe so gut miteinander "verklebt", dass die Zugkräfte auch auf den darunterliegenden Ring übertragen werden, können auch dünne oder unfertig ausgebildete Ringe funktionieren. Ist dies NICHT gegeben, sollte der Rückenring mindestens 3, besser 4 mm dick und fertig ausgebildet sein.
Ringporige Hölzer mit porigem Frühholz MÜSSEN ausgebildete und hinreichend dicke Rückenringe haben.
Wirklich verzichtbar ist dies nur bei
Eibe, die gar kein Frühholz ausbildet (immergrün!),
Hickory (trotz geringem Frühholz, aber sehr fest verklebt) und in Grenzen:
Ulme und Flieder.
TROTZ Streuporigkeit hinreichend dicke Ringe benötigt z.B. Ahorn.

HASEL ist streuporig (s.o., Neumi) und liegt irgendwo dazwischen.
ICH würde bei sommergeschlagenem Hasel immer den unfertigen Ring entfernen.

Zu 2. Hasel ist eh nicht besonders "nass" und trocknet schnell.
Von daher stimme ich zu.

zu 3. Hasel reißt auch nicht so leicht.
Also auch von daher jaein zur "Sommerernte". Jaein, weil: WENN er reißt, DANN meistens fatal, denn Hasel ist meistens drehwüchsig! Eigentlich müsste man sommergeschlagenen Hasel sofort grob in Form schneiden - das birgt aber wiederum die Gefahr, dass er sich verzieht (durch den Drehwuchs!).

Fazit:
Man kann Hasel auch im Sommer ernten, ja. Ob dann der Rückenring durchhält, ist allerdings Glückssache (s.o., Rob-Nie).
Ich würde zur Sicherheit auch Hasel immer auf einen guten Ring runter schaben.... Und man muss ihn dann besonders sorgsam langsam trocknen, um der Rißbildung vorzubeugen.

Winterernte ist BESSER. Sommerernte ist eine Notlösung!

Rabe

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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Neumi » 16.10.2019, 16:04

Ravenheart hat geschrieben:
16.10.2019, 15:21
Eibe, die gar kein Frühholz ausbildet (immergrün!)
Öhm, ich widerspreche. Eibe, wie auch die anderen bei uns wachsenden, immergrünen Koniferen haben sehr wohl Früh- und Spätholz. Schau Dir bitte mal eine Makro-Aufnahme der Querschnitte von Eibe oder Kiefer an - hier kann man sehr schön erkennen, dass die Spätholz-Tracheiden eine andere Form haben (nämlich radial stark abgeflacht), als die Frühholz-Tracheiden. Und es gibt eine deutlich sichtbare Jahrringgrenze.
Wenn das allerdings mittlerweile botanisch anders bezeichnet wird, bitte ich um Aufklärung.
Grüße - Neumi
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Kemoauc » 16.10.2019, 22:19

Roby-Nie hat geschrieben:
16.10.2019, 12:55
... dass der Standort des Hasels darüber entscheidet, ob hohe Zuggewichte möglich sind.
Man merkt das am Gewicht der getrockneten Rohlinge. Bei ganzjährig feuchten, schattigen Standorten (hier bei mir wachsen viele Sträucher an einem beschatteten Bachlauf) ist das Holz schwerer und somit besser für 50+ lb geeignet.
Hmm.. ich denke mal,das bedarf einer differenzierten Betrachtung. Meiner bisherigen Erfahrung nach ist das zwar durchaus richtig. Jedoch, wenn der ganze Strauch im Schatten auf der Nordseite (als Extremfall) liegt, ergibt dies zwar schwereres Holz,oft auch etwas dunkler, es fehlt jedoch an "Schwuppdizität". Liegt der Busch hingegen eher südlich ausgerichtet,der Stammteil im Schatten und die Krone in der Sonne, geben sowohl Hasel als auch Hartriegel m.M.n. deutlich bessere Hölzer ab. Ein guter Boden dazu und es passt. :D
Ich denke halt, fettere Ringe und wohlige Wachstumsbedingungen kompensieren mehr als gut die etwas geringere Holzdichte.
Meine Hypothese wäre dazu, das die Bäume/Sträucher auf der Nordseite vermehrt Lignin und andere Einlagerungen produzieren, um den Stamm stabil genug für die Krone zu halten,während auf der Südseite dies simpel durch mehr Zellulose erledigt wird.
Nur so meine Gedanken dazu,
Grüßle,
Kemoauc
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von schnabelkanne » 17.10.2019, 06:32

Servus, ja bin auch der Meinung Hasel ist ein wirklich gutes Bogenholz.
Bei Hasel besteht halt wie bei Esche und anderen Hölzern die Gefahr, dass er am Bauch knittert.
Welcher Hasel für stärkere Bögen geeignet ist habe ich noch nicht herausgefunden.
lg Thomas
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Tom Tom
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Tom Tom » 17.10.2019, 06:45

@Kemoauc
Laubhölzer lagern zur Stabilisierung nur Zellulose ein. Egal auf welcher Hangseite sie stehen :) . Resultiert dann in Zugholz auf der Astoberseite oder der Kraft gegenüberliegenden Stammseite.

Bei Nadelholz wird dagegen Lignin in der Astunterseite bzw der Seite des Stammes eingelagert auf welcher die Kraft direkt wirkt. Gut zu sehen vor allem an Eiben mit dem sogenannten Druckholz.

Lg Tom Tom
Zeit ist eine durchaus relative Angelegenheit

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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von MrCanister123 » 17.10.2019, 10:42

Danke euch allen für die Antworten:)

So wie ich es jetzt rausgelesen hab ist es glaub echt zu 99% am besten wenn ich ihn im Winter schlage.
Würdet ihr das erst im Spätwinter (Januar, Februar) machen oder kann ich schon im Frühwinter/Spätherbst (November, Dezember) die Rohlinge ernten?

@Neumi: Mit Tempern kenne ich mich ehrlich gesagt gar nicht aus..Hab ich noch nie gemacht..Warum meinst du dass das vor allem bei Hasel wichtig ist? Würdest du es bei Eschen auch machen?

@Roby-Nie: Die Bögen wo ich mir baue sind meistens zwischen 35 und 55%. Aber ich sag mal je stärker desto besser:)
Also würdest du auf jede Fall Hasel an bspw. Bächen empfehlen? Liegt das dann daran dass der letzte Ring dicker ist weil der Wasserbedarf durch den Bach gedeckt war?

@Ravenheart: Das mit dem Drehwuchs ist mir auch schon ein paar mal aufgefallen. Hab die wo sich über die Trockenzeit verzdreht haben immer gleich aussortiert und als Brennholz genommen :D Mit dem Runterschaben vom letzten Jahresring bin ich mir immer ziemlich unsicher.. Hab da eigentlich immer Bammel dass ich den vorletzten Ring auch beschädige. Bisher hab ich einfach immer nur die Rinde entfernt.

@Kemoauc: Mhm heißt das dass man allgemein eher Hasel schlagen soll wo auch genug Sonne abbekommen? Weil ich hab zB auch schon oft Hasel im tiefsten feuchten Nadelwald geschlagen..

@schnabelkanne: Mit knittern meinst du die Stauchrisschen oder? Ein Bekannter hat beim Turnier demletzt gemeint, dass das nicht tragisch ist, aber halt kacke aussieht..

@Tom Tom: ich versteh fast nur Bahnhof :D
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Ravenheart » 17.10.2019, 11:57

Neumi hat geschrieben:
16.10.2019, 16:04
Wenn das allerdings mittlerweile botanisch anders bezeichnet wird, bitte ich um Aufklärung.
Ich präzisiere:
Eibe bildet kein bogenbautechnisch relevantes Frühholz aus.

Besser?

Rabe

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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von schnabelkanne » 17.10.2019, 13:02

Ja mit "knittern" hab ich Stauchrisse am Bauch gemeint und ja es kann sein, dass der Bogen trotz der Risse noch lang hält.
Aber es sind troztdem Zellen am Bauch geschädigt und dadurch kann es sein, dass er an der Stelle nachgibt und bricht.
lg Thomas
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Neumi » 17.10.2019, 15:02

Ravenheart hat geschrieben:
17.10.2019, 11:57
Eibe bildet kein bogenbautechnisch relevantes Frühholz aus
, wie man es bei ringporigen Hölzern findet (z.B. Esche oder Ulme).

Mit diesem Halbsatz zusätzlich, fände ich das OK.

Grüße - Neumi
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von Kemoauc » 17.10.2019, 21:51

@Tomtom: ok. Again What Learned. Hypothese ab in den Gulli. ;D

@MrCanister: Jupp, der Meinung bin ich,ordentlich Sonne, guter Boden und genug Wasser sollten auch gutes Bogenholz ergeben. Wenns Bäumchen hungert,dann hungert auch der Bogen,der darin schlummert. :D

Grüßle,
Kemoauc
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von schnabelkanne » 18.10.2019, 11:20

Kemoauc hat geschrieben:
17.10.2019, 21:51


@MrCanister: Jupp, der Meinung bin ich,ordentlich Sonne, guter Boden und genug Wasser sollten auch gutes Bogenholz ergeben. Wenns Bäumchen hungert,dann hungert auch der Bogen,der darin schlummert. :D

Grüßle,
Kemoauc
Ich bin mir nicht sicher ob dass wirklich so einfach ist, ich hatte schon unterschiedliche Qualität von Stämmen die unmittelbar nebeneinander standen, wirklich sicher ist man nur wenn man einen Bogen daraus gemacht hat oder zumindest einen Bruchtest.

@ all — Hat jemand eine Idee wo man einen „Kernbohrer“ , oder wie das Ding auch heißen mag bekommt, mit dem man die Ringdicke usw. eines Baumes feststellen kann, ohne ihn umzusägen.

Lg Thomas
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Re: kurze Frage zum Haselnuss

Beitrag von wanttostart » 18.10.2019, 11:45

Meinst Du
https://de.wikipedia.org/wiki/Zuwachsbohrer

Dann hier z.B.
https://www.grube.de/forst/vermessungst ... chsbohrer/

War aber dann auch nur der erste Treffer.
Nur damit kann man dann ja weiter suchen.

Viele Grüße
Mögest du warme Worte an einem kalten Abend haben, Vollmond in einer dunklen Nacht und eine sanfte Straße auf dem Weg nach Hause. (irischer Segen)

* Bögen angefangen/kapput/fertig: 14/9/5
* Pfeile gebaut / verbraucht: 5 / 2

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