Mein erster Osagestave

Themen zum Bogenbau
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TorstenT
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von TorstenT » 21.11.2019, 07:54

fatz hat geschrieben:
21.11.2019, 07:23
Ich wuerd da den guten alten Uhu Plus 300 endfest nehmen. Achtung das 300 ist wichtig.
Kleine Anmerkung für die, die es noch nicht wissen sollten: bitte nicht in den nächsten Baumarkt Eures Vertrauens rennen, um den zu kaufen! Den Uhu Endfest Plus 300 gibt es offiziell nur noch für gewerbliche Nutzer. Die frei verkäufliche Variante ohne „300“ ist wirklich nicht so gut. Online ist der 300er aber noch zu bekommen.

Grüße
Torsten

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Becknbauer
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Becknbauer » 21.11.2019, 08:27

Nach der Theorie/ Datenblättern hast du/ihr sicher recht.
Aber ob die theoretischen Werte wirklich so wichtig sind bezweifle ich.
Ich habe mit dem vermeintlich untauglichen Baumarktkleber schon zwei inzwischen als langlebig bewiesene Osage-Bambus Bögen laminiert und unzählige Overlays aufgeklebt.
Ich denke das sorgfältige reinigen und verkleben spielt eine größere Rolle als die theoretisch besseren Werte der Profi-Variante.
Um Risse zu füllen sollte es überhaupt keine Rolle spielen.
Gruß Wolfgang/Beck ' n ' Bauer

第一条

人人生而自由,在尊严和权利上一律平等。他们赋有理性和良心,并应以兄弟关系的精神相对待。
(Internationale Menschenrechtscharta Artikel 1)

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Neumi
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Neumi » 21.11.2019, 09:56

Auch OT:
UHU Plus Endfest 300: Max. Klebfestigkeit bis ca. 3000 N / mm²
UHU Plus Endfest: Max. Klebfestigkeit bis ca. 1700 N / mm² , also ca. 175 Kg / cm² was ja auch noch ne ganze Menge ist
Ende OT
Grüße - Neumi
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Neumi » 21.11.2019, 10:23

Jetzt aber nochmal zu dem stave. Zum einen weiß man nicht wie tief der Holzleim beim bersiegeln in die Risse eingedrungen ist, was das füllen mit Epoxyd behindern oder unmöglich machen kann oder bedeuted, dass man mehr Holz abtragen muss.

Zum anderen macht es keinen Sinn jetzt schon auf den finalen Rückenring runter zu arbeiten, da dieser dann nämlich vollkommen ungeschützt ist. Anders rum gesagt: ein Ring oder zumindest ein Teil eines Ringes, ja nachdem wie dick die Ringe sind, als Rückenschutz ist empfehlenswert. Ich weiß zumindest von mir wie oft ich beim bauen mit dem Rohling irgendwo anecke und Macken im Rücken verursache und bei Osage sind solche Macken ziemlich blöde und bedeuten noch einen weiteren Ring wegznehmen.

Und mal im Ernst: beim angestrebten Zuggewicht von 35#-40#, der angestrebten Länge und das als Recurve, wird das ein ganz dünner Bogen, so dass nur die Griffdicke über die zu benötigte stave-Dicke entscheidet (und selbst sowas kann man noch aufbauen) - also höchstens 4 cm. Der stave hat aber zwischen 12-15 cm Dicke. Da nix mehr abzuspalten wäre schlicht max. Verschwendung. Bei der Dicke kann man vollkommen gefahrlos mind. einen 2. Rohling abspalten - Osage läßt sich sehr gut innerhalb eines Jahrringes spalten und selbst wenn der Spalt über 3 Ringe geht, was durchaus vorkommt, ist das kein Problem.

Grüße - Neumi
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von DaRoli » 22.11.2019, 09:28

Wow, Leute, vielen Dank für die tollen Tipps. Aus den Diskussionen bekommt man die unterschiedlichen Sichtweisen und Argumente und lernt jede Menge. Risse, Kleber, Fön, Verlauf ... war alles dabei! Danke!!

Ich werde heute die Stirnseiten "klar" machen und mir dann einen Jahresring aussuchen. Sofern der nicht zu tief liegt, werde ich versuchen unten die Spitze abzuspalten. Oben zu spalten ist mir definitiv zu heiß. Super Tipp auch, Neumi, einen Jahresring als Schutz vorerst drauf zu lassen.

Und dann werd ich ihn reduzieren, sodass das Risiko von Trocknungsrissen geringer ist (jetzt im Herbst hab ich ~70-80% Feuchte, im Winter wird sicher 40% draus... da mag ich das meiste Material schon weg haben). Tatsächlich mit dem Biegen fange ich aber erst im Frühjahr an.

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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von schnabelkanne » 22.11.2019, 12:04

Servus, das Biegen geht aber viel leichter solange der Stave noch feuchter ist, natürlich vorher die groben Bogenform herausarbeiten und zeig mal ein Bild von der Stirnseite wo man die Jahresringe sieht.
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von DaRoli » 22.11.2019, 15:08

Damit kann ich gerne dienen :-) ... Ich hab gerade die Fasern entfernt, die eh weg müssen, sowie die Stirnseiten gesäubert.
Von oben her muss ich 4 Jahresringe entfernen: Zum einen ist kommt damit ein dünner JR weg, zum anderen hab ich außen, sowie seitlich Trocknungssrisse, die größtenteils (vielleicht sogar ganz) damit weg kommen.

Angezeichnet hab ich einmal 2 Bögen, mit Glück kann ich tatsächlich hier einmal spalten und 2 Bögen draus machen. Frage: Hat jemand von euch Erfahrungen, ob es etwas hilft, rundum wo ich spalten mag mit dem Dremel vl. 1cm tief einzufräsen?
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Neumi » 22.11.2019, 15:55

Bei so einer Sahneschnitte von stave ist es vollkommen unnötig so viele Ringe runter zu nehmen - da taugt jeder, auch der dünnste, als Bogenrücken. Deswegen nicht schon soviele planen runter zu nehmen, sondern einen nach dem anderen und schauen, wies mit den Rissen aussieht.
Wie lang ist der stave denn eigentlich? Möglicherweise sind die Risse nur stirnseitig über mehrere Ringe tief.
Und lass die Arbeit mit dem Dremel bleiben, einfach vorsichtig im Frühholz spalten, also irgendwas wie nen Stechbeitel oder so stirnseitig ins Frühholz klopfen und dann kontolliert die Spitze runter hebeln.
Grüße - Neumi
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von DaRoli » 22.11.2019, 17:44

Ah, an Stechbeitl hab ich gar nicht gedacht... Stimmt, damit kann man dem Jahresring entlang "gebogen" spalten. Also vergiss ich die Axt schnell wieder ;) Ich hab mal rot eingezeichnet, wo ich die 3 Beitl ansetzen würde. Der Griffbereich ist mit etwas weniger als 40mm geplant, das könnte sich knapp ausgehen. Den tiefer liegenden Bogen seh ich als Bonus, wenn es klappt. Der darf dann ruhig auch nur 25 oder 30# bei 28'' Auszug stark/schwach werden.

Der Stave ist 1.90m. Der Holzhändler hat mit mir da echt sein ganzes Lager durchgesucht und mir den bestmöglichen "Anfängerstave" rauszusuchen. War echt ein Klasser Zug von ihm!
20191122_144600b2.jpg
Griff2b.jpg
Zuletzt geändert von DaRoli am 22.11.2019, 18:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Hieronymus » 22.11.2019, 18:16

Der Stave muss nicht unbedingt 4cm dick sein, da du ein Griff auch aufleimen kannst ;) Wo kommst du denn her(in welchem Großraum lebst du)? Vielleicht ist einer in deiner nähe mit einer Bandsäge und kann dir helfen. Wie Neumi schon geschrieben hat würde ich versuchen 3 Staves daraus zu bekommen, dann hast du kein Problem mehr mit dem Riss in der Mitte . Fleisch genug ist da und bei diesem schönen Stave wäre es Verschwendung... Ich würde aber nur versuchen 3 Staves daraus zu bekommen , wenn du Zugang zu einer Bandsäge hast.

Gruß Markus
«Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.»
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von DaRoli » 22.11.2019, 18:28

@Markus: Du meinst, entlang dem Jahresring spalten und entlang dem Riss sägen, oder? Ich wohn in Kärnten. Ich hab zwar selber keine Bandsäge, aber ein Kumpel könnte mir da aushelfen...

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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Hieronymus » 22.11.2019, 18:46

Hm, es ist besser wenn jemand dir hilft, der Bogenbau-Erfahrung hat, da man auf den Bilder nicht sieht ob überall seitlich genug Holz steht um da 3 Staves heraus zu bekommen. Von der Stirnseite her ist genug da, aber das muss nicht über den ganzen Stave gehen. 2 Staves sollte aber Problemlos gehen. ;) Vielleicht wohnt ja jemand im Großraum Kärnten :)

Gruß Markus
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von schnabelkanne » 22.11.2019, 19:36

Servus, ich würde jemanden bitten der eine Bandsäge hat mir den Stave zu teilen und 2 Bögen sind genug und vor allem besser als gar keiner.
4 cm Wurfarmbreite sind bei Osage mehr als ausreichend, also von der Spitze von unten weg dort wo der Stave ca. 5 cm breit ist würde ich ihn teilen.
Bist du aus Kärnten? Dann könntest du ja bei Chirion fragen ob er dir hilft.
Lg Thomas
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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von Hans1957 » 11.12.2019, 19:43

servus beinand,
wenn ich meinen Senf dazugeben darf:
ich würde den Stave bei 3,5 cm spalten, (anspalten mit Stechbeitel, dann nur mit Hartholzkeilen, 2 bis 3 St., auseinander spalten). dann die Ringe runter arbeiten. es würden gute 2 cm Dicke bleiben, damit kannst du noch einen 80pfünder bauen ;D .
Den Griff aufleimen.
Damit bleibt der untere Spaltling sogar etwas breiter und du holst da locker nochmal einen 40pfünder raus, samt Griff.
(so einen schönen Stave hätte ich auch mal gerne, gratuliere)
Hans

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Re: Mein erster Osagestave

Beitrag von DaRoli » 17.01.2020, 16:56

Hey Leute,
ich hab mich dann entschieden den Stave mit einer Bandsäge durchzusägen - ein Kumpel hat mir dabei geholfen. Und es hat geklappt ;D
Mir war wichtig, dass aus dem äußeren Stück ein Bogen rauskommt - das innere Stück seh ich als Bonus an. Hier will ich für meine Frau einen ca. 25-30 lbs Bogen machen.

Anbei ein paar Bilder, wo sicher so manche von euch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden. Hehe! Aber bei meinem ersten Osage wollt ich halt nix falsch machen. In regelmäßigen Abständen hab ich Schablonen aus Karton gemacht und die Jahresringe seitlich vom Stave auf der Schablone aufgezeichnet. Dann hab ich den Verlauf der Jahresringe im Inneren geschätzt, die beiden Bögen entsprechend reingelegt und damit dann die Schnitte ermittelt. Diese hab ich auf den Stave übertragen und dann mit dem Kumpel mit der Bandsäge versucht denen zu folgen. Das hat eigentlich sehr gut geklappt.
Schnitte.jpg
20200108_181132b.jpg

Aus der kleineren, inneren Hälfte hab ich mich an den geplanten äußeren JR rangetastet (bzw. einen halben JR zur Schonung beim Biegen draufgelassen.
20200110_145725b.jpg

Eine Frage hätte ich:
Der geplante Äußere JR ist an einer Stelle (im Griffbereich) beim Teilen angesägt worden (siehe rot markierte Bereich). Konkret fehlen im Randbereich vom Griff ein halber mm bei einem JR-Dicke von vielleicht 6-7mm. Ich glaube, das macht hier nichts, da der Griff a) starr werden soll und b) der Bogen als 25-30 lbs Bogen mit einer geplanten Länge von ~160cm sicher nicht an die Grenze gebaut wird.
Seht ihr das ähnlich, oder sollt ich auf Nummer-sicher gehen und den JR entfernen?

Der Ast geht übrigens durch und ist trocken, d.h. entweder leg ich den Bogen rechts rein und nehm den Ast mit, oder links und spare ihn aus. Da bin ich noch unschlüssig. Eingezeichnet ist auf jeden Fall eine mögliche Mittellinie.
20200117_155143b.jpg
20200117_155304b.jpg

Vielen Dank für die ganzen Tipps von euch! :-)

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